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º Tropfsteinhöhle

Fast jeder, den man fragt, ist schon einmal in einer Tropfsteinhöhle gewesen. Doch so richtig weiß keiner mehr, wie es da ausgesehen hat. Es tropfte und war kalt, aber sonst. Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese Ausflüge meistens in den dritten oder vierten Schuljahren stattgefunden haben. Und dann ist eigentlich alles andere wichtiger, als sich diese Höhlen zu betrachten und den Worten des Höhlenführers zu lauschen. Da wird geschwatzt, Süßigkeiten werden ausgetauscht oder auch Fußballbilder. Auf jeden Fall bekommt man nichts mit.
Daher ist es empfehlenswert, sich als Erwachsener noch mal vorzunehmen.
Und man wundert sich, was man da als Kind so alles übersehen hat. Die ganze Atmosphäre ist so unwirklich. Erst geht man steile Treppen im Halbdunkel hinunter und mit jedem Schritt wird es kälter und kälter. An den Wänden hängen Fackeln, deren ständig flackerndes Licht unheimliche Schatten an die Wände wirft.
Und wenn man dann unten angekommen ist und hinter einer kleinen Biegung plötzlich diese riesige Höhle sieht, ist man vollkommen überwältigt. Alles schimmert, die Wände sehen aus, als wenn sie aus Gold und Silber wären. Der Höhlenteich hat eine undefinierbare Farbe, eine Mischung aus blau, grün und mattweiß. Und er ist völlig undurchsichtig. Das ständige Tropfen der Stalaktiten hallt in diesem großen Gewölbe, so dass man sich vorkommt, als wäre man in einem Zauberschloss. Die Stalagmiten bestehen aus bizarren Gebilden, dass man denken könnte, irgendein frühzeitlicher mystischer Höhlenbewohner hätte sie aus einer Laune heraus so geformt. Wenn man dann nach einer Stunde in der Höhle wieder ans Tageslicht kommt, hat man das Gefühl, man habe gerade eine Märchenwelt verlassen und muss nun wieder in die Realität zurück. Und auf jeden Fall ist man sicher, dass das nicht der letzte Besuch in einer Tropfsteinhöhle war.


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